Juni 29, 2026

Rattenschwänze

CN Trauma, Neurodivergenz, Essstörung

Manchmal wird mir klar, wieso ich so „pingelig“ bin, so wenig Mental Load abgeben kann, warum mich Änderungen und Unerwartetes so stressen. Ich kenne den Impakt, den sie auf mich haben leider zu gut und der Stress schiesst sofort hoch, es ist ein Trigger. Es ist ein Zusammenspiel von allem, was mich beeinträchtigt; der Autismus, das ADHS, die Insomnia, Energielosigkeit, Erschöpfung und Schmerzen des ME/CFS, die Essstörung, das Kindheitstrauma und die Persönlichkeitsstörungen und DIS die sie zur Folge haben.

In der Praxis singt dieses Orchester folgendes:

Das Safe food ist nichts geworden durch ein Missverständnis, bei dem sich das Partneri aus Ableismus-Erfahrungen nicht nachfragen getraut hat – meine Angaben waren präzise, aber es ist sich gewohnt, dass es mehr daraus rauslesen muss und selber rausfinden, was gemeint ist und es richtig machen, wenn die Angaben anderer für es nicht ausreichend präzise sind
Das Essen, auf das ich mich 2 Tage eingestellt habe, das erste das wieder gut verträglich gewesen und damit meine Fahrfähigeit deutlich erhöht hätte, kann ich nicht essen
Es kann gerettet werden – mit einer weiteren Stunde Kochdauer. Mein Magen schmerzt aber seit Stunden zu einem Grad von kaum mehr aushaltbar und immer wieder Kleinigkeiten essen.

Aber, oh weh! jetzt haben wir uns in gegenseitigen Triggern verrannt und sind beide dermassen darin gefangen, dass wir mehrere Stunden brauchen bis gegessen werden kann. Ich bin wie meist in fight-reactions und kämpfe mit allen Mitteln um Verbindung und zusammen lösen, das Partneri im freeze.

Irgendwann haben wir ein gemeinsames Verständnis der Situation und kommen genug raus. Sprechen darüber, was maskieren ist, was es mit Trauma zu tun hat, das wir Vertrauen und Demaskieren zusammen erarbeiten müssen damit sowas nicht ständig passiert. Dass die Probleme sich nicht lösen, in dem ich sie einfach auf dem Schirm habe und versuche, zu kompensieren. Reden über Mental Load und Abhängigkeit und Anerkennung von beidem und Ableismus und das wir nicht beide alles gleich können müssen um das Patriarchat zu bekämpfen und wie Kapitalismus/Leistungsgesellschaft, Ableismus und das Patriarchat sich gegenseitig brauchen, bedingen, bestärken und deshalb das eine auch immer Diskriminierungserfahrungen durch das andere anstösst und wie Intersektional wir Transformation deshalb denken müssen.

Schade, dass wir vor 5 Stunden hätten schlafen müssen. Schade, dass ich dann nach mikriegen 6h Schlaf nicht mehr einschlafen kann, nachdem das Partneri mich weckt durch aufs Klo gehen. Aber wer komplett dysreguliert aus übermüdung einschläft, muss sich über Albträume und Hypervigilance durch Traumaaktivierung auch nicht mehr wundern. Stresslevel beim kleinsten Aufwachen zu hoch.

Bin ich mit 6h schlechtem Schlaf fahrtüchtig für Langstrecken mit davor ein Cembalo verladen? Nein. Natürlich nicht. Kann ich am Tag nach der Strecke zum Stall fahren? Natürlich auch nicht. Dann sieht das Wetter aber wieder schlecht aus, Leute haben unflexibel Zeit und ich hab Therapie.

Und so kostet mich ein winziges Missverständnis 2h vorm Schlafengehen eine halbe Woche Alltag. Es ist manchmal einfach verdammt anstrengend, mit anderen Wesen zusammen funktionieren zu müssen. Die Stakes sind für mich einfach zu hoch. Ich will einfach entspannt und liebevoll bleiben können wenn ein kleiner Fehler passiert, auch wenn er mich sehr überfordert.

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